AG Gedenkstätten warnt vor KI-Fake-Holocaust-Bildern

Foto: Quelle: Facebook/Historic Voices. Dieses Bild wurde auf Facebook gepostet. Angeblich soll es eine Mutter im Vernichtungslager Sobibor zeigen, die ihren Säugling durch den Zaun einer Frau übergibt. Dass das Bild durch KI erstellt wurde, wird im Begleittext verschwiegen. Die SZ, von der wir das Bild übernommen haben, hat das hier nachträglich mit einem Wasserzeichen gekennzeichnet.

Der offene Brief der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten richtet sich gegen eine Entwicklung, die in den vergangenen Monaten deutlich sichtbar geworden ist: In sozialen Netzwerken kursieren immer mehr KI‑generierte Bilder und Videos, die angeblich den Holocaust darstellen, in Wahrheit aber frei erfunden sind. Diese künstlichen Bilder sind stark emotional inszeniert, wirken wie historische Aufnahmen und werden massenhaft verbreitet – genau darin sehen die Gedenkstätten ein ernstes Problem für die Erinnerungskultur und den Umgang mit Geschichte.

Im Kern warnen die Unterzeichner davor, dass solche Bilder die Grenze zwischen historischer Dokumentation und Fiktion verwischen. Wer auf TikTok oder Instagram häufiger auf dramatisch inszenierte KI‑Fotos stößt als auf echte historische Aufnahmen, gewöhnt sich an ein verzerrtes Bild des Holocaust. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass authentische Fotos aus Archiven, Museen und Gedenkstätten als weniger glaubwürdig gelten oder sogar als Fälschungen abgetan werden – damit geraten auch die Institutionen selbst unter Druck.

Der Brief kritisiert außerdem den Umgang mit dem Leid der Opfer. KI‑Bilder, die auf Klicks und Emotionen optimiert sind, benutzen die Geschichte eher als Kulisse, statt sie zu erklären oder einzuordnen. Wenn Profile mit solchen Inhalten Reichweite oder sogar Geld verdienen, wirkt es, als würde das Grauen der Lager zu bloßem Content werden. Die Gedenkstätten betonen, dass es einen klaren Unterschied macht, ob man mit authentischem Material verantwortungsvoll arbeitet oder ob man Szenen erfindet, die es so nie gegeben hat.

Gleichzeitig ist der Brief kein pauschales Nein zu digitalen Medien oder zu künstlicher Intelligenz. Neue Technologien können Chancen für Bildung und Vermittlung bieten, aber es braucht klare Regeln, Kennzeichnungen und Verantwortung. Plattformen sollen KI‑Inhalte deutlich markieren, geschichtsverfälschende Beiträge einschränken, ihre Meldesysteme verbessern und enger mit Gedenkstätten zusammenarbeiten, damit deren Expertise in Richtlinien und Erkennungssysteme einfließt.

Als Fotografie‑Lehrende sehen wir die aktuelle Flut an KI‑Bildern zum Holocaust mit großer Sorge. In unserer Arbeit legen wir Wert auf eine klare begriffliche Trennung zwischen Fotografie als dokumentarischem Medium und KI‑Bildern als synthetischen Rekonstruktionen. Der Deutsche Fotorat befürchtet, dass die gesetzlichen Regelungen nicht ausreichen oder praxisfern gestaltet sind, und fordert eine Initiative der Medienschaffenden.

Was denkst du? Informiere dich (Links folgen) und schreib uns deine Meinung.

Links zum offenen Brief der Gedenkstätten

KI-Bilder vom Holocaust in sozialen Medien: KZ-Gedenkstätten appellieren an Plattformbetreiber – Dachau – SZ.de

“Holocaust und NS-Verbrechen klicken sich gut” – Gedenkstätten wehren sich gegen KI-Fakes | hessenschau.de

Gefahr durch KI: Gedenkstätte Buchenwald will gegen Fake-Bilder vom Holocaust vorgehen | MDR.DE

Link zur Stellungnahme des deutschen Fotorates

Deutscher Fotorat veröffentlicht erneut Stellungnahme zu Generativer KI | Deutscher Fotorat e.V.

KI Podcast des deutschen Fotorates

KI-Podcast | Deutscher Fotorat e.V.