Lochkamera

pinhole; Langzeitbelichtung; Lochkamera

„Alles analog?“ Ausstellung in der Fotogalerie Bethanien.

Die Arbeiten „Aura“ von Ute Ursula Schäfer und „Wasser“ von Birgit Nitsch sind auf Rollfilm fotografiert. Ute Ursula Schäfer benutzte eine umbebaute Agfa Clac, bei der die Linse durch ein mit einem Laser geschossenes Loch ersetzt wurde, während Birgit Nitsch eine Kamera aus Pappe verwendete. Die Negative wurden gescannt und anschließend gedruckt. Diese Arbeitsweise nennen wir hybrid.

Etwas anders entstehen die Fotografien von Birgit Hampel. Sie baut aus einer Filmkapsel und einem Stück Kleinbildfilm eine Minikamera, die sie mit Klebeband an beliebiger Stelle befestigen kann. Die Belichtung beträgt viele Stunden oder Tage. Ohne jede chemische Entwicklung entsteht so ein Negativ, das sichtbar, aber ohne Fixierung nicht haltbar ist. Auch dieses Negativ wird gescannt, das Positiv entsteht in einem Digitaldruckverfahren.

Diese und alle anderen Arbeiten sind noch bis zum 12.07.2026 in der Fotogalerie Bethanien zu sehen. (Do. + Fr. 16–18 Uhr, Sa. + So. 14–18 Uhr)

Ute Ursula Schäfer

Aura (2016)

Sechs Schwarz-Weiß-Fotografien in schwarzen Rahmen sind versetzt an einer schlichten weißen Wand angeordnet. (KI generierte Beschreibung)

Die Bilder sind mit einer selbstgebauten Camera obscura entstanden. Eines der wichtigsten Güter des Lebens ist Zeit. Sie beim Fotografieren mit der Camera obscura verstreichen zu lassen und zu feiern, anstatt sie nur als das zu sehen, was ausgehalten werden muss, bevor der Auslöser gedrückt wird, ist wunderbar. Die Camera obscura erfasst Raum-Zeit-Kontinuen und zeigt den Prozess, nicht nur das Ergebnis. Die Ausstrahlung und Existenz aller Körper zusammen bezeichnen wir als Aura. Aura leitet sich vom griechischen Wort avra (Brise) ab.

Neben ihrer Tätigkeit als Ärztin und Therapeutin hatte Ute Ursula Schäfer immer die Leidenschaft, sich kreativ auszudrücken. Ihre zentralen Themen sind Ursprung, Transformation und Auflösung. Fotografische Ausbildung am Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg bei Thomas Michalak, Sybil-le Hoffmann und Klaus W. Eisenlohr.

sternengewand@aol.com

Birgit Nitsch

Vom Stillstand und Fließen (2015/2018)

Das Wasser – wir sind zutiefst emotional mit ihm seit jeher verbunden … Es fließt unabänderlich, schafft bestimmte Atmosphären wie Tiefe, Weite, Stille und Aufruhr. Das Wasser ist selbst Medium für die Auslösung unserer Ge-fühle und Gedanken. Der Blick auf die Wasseroberfläche, das Licht, seine Brechungen, Stillstand und doch Bewegung. Aussteigen aus der Wirklichkeit, tiefes Empfinden, träumerisches Versinken und aufgelöst in den Gewässern der eigenen Gefühle und fernen, nebeligen Gedanken … Alles steht still und fließt zugleich … Einige Bilder zur Arbeit „Vom Stillstand und Fließen“ entstanden während des Workshops zur erweiterten Landschaftsfotografie „Auf und Ab“ mit Sibylle Hoffmann und Thomas Michalak.

Fotografiert wurde mit einer Lochkamera auf Rollfilm, 6 × 9 cm.

Birgit Nitsch ist 1961 in Berlin geboren. Seit 1998 intensive Beschäftigung mit der Fotografie. Seit dieser Zeit besuchte sie themenzentrierte Kurse am Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg bei Sibylle Hoffmann und Thomas Michalak. Ab 2006 Studium an der Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung bei Prof. Ute Mahler. 2011 absolvierte sie die Meisterklasse bei Prof. Arno Fischer.

www.birgitnitsch.de

Birgit Hampel

licht. raum. zeit

Fotografieren ist für mich ein wichtiges Ausdrucksmittel – es ist sichtbar machen … suchen … festhalten … ein Bedürfnis … etwas sehr Persönliches und zugleich Universelles … Dabei faszinieren mich Perspektivwechsel – räumlich, zeitlich und inhaltlich. Viele meiner Bilder entstehen mit Lochkameras – ohne Linse, ohne Technik, die das Sehen beschleunigt oder glättet. Mit jeder Aufnahme zeichnet die Lochkamera nicht den Augenblick, sondern die Dauer. Die Belichtung kann Minuten, Stunden, Monate umfassen – Zeit selbst wird sichtbar. So werden die Fotografien zu Bildern der Zeit selbst: Sie zeigen keine Ereignisse, sondern das, was zwischen ihnen geschieht. Jede Aufnahme ist eine Verdichtung von Zeit, ein stilles Protokoll der Veränderung.

Birgit Hampel ist ausgebildete Architektin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fotografie. Sie studiert seit 2015 am Photocentrum Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin und besuchte Meisterkurse bei Anders Petersen, Mirjana Vrbaski, Eva Gjaltema, Tomasz Laszny und der Ostkreuzschule Berlin.

www.birgit-hampel.de

Bildquellen

  • pinhole; Langzeitbelichtung; Lochkamera: © Birgit Hampel
  • pinhole; Langzeitbelichtung; Lochkamera: © Birgit Hampel