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Anerkennung für kontinuierliche Bildungsarbeit in künstlerischer Fotografie

Der Bildungspreis 2021 der Deutschen Gesellschaft für Photographie geht an das Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg

(c) Wolfgang Busch, “INTER CORPUS”, aus dem Projekkurs “Leib” mit Thomas Michalak
(c) Björn Hoffmann aus “Coronaporträts”, Reportageklasse mit Ann-Christine Jansson

Mit dem Bildungspreis zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) in diesem Jahr das Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg für dessen seit vielen Jahren sehr hohes Niveau und vor allem seinen offenen, niederschwelligen Zugang für alle an Photographie interessierten Menschen aus.

Die Institution steht in einer langjährigen Tradition engagierter, anspruchsvoller Photographie. Ausgehend von der legendären, von Michael Schmidt 1976 in der Volkshochschule Kreuzberg gegründeten Werkstatt für Photographie, begann der schrittweise Aufbau des Photocentrums als Schwerpunkt des Programmbereichs Kultur und Gestalten der VHS. Seit 2008 ist das Photocentrum fest an der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg verortet.

Das Verständnis von Photographie als persönliche, künstlerische Ausdrucksmöglichkeit sowie didaktische Ansätze, wie das Begegnen auf Augenhöhe, den Diskurs als zentrales Vermittlungsinstrument oder das individuelle künstlerische Arbeiten in einer Gruppe wurden fortgesetzt, Photographie wird als Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung vermittelt.

In ca. 100 Präsenz- und Onlinekursen mit über 1000 Teilnehmenden pro Jahr wird die Schärfung der subjektiven Wahrnehmung, die Verbesserung des eigenen Verständnisses von Bildsprache und der Ausbau der Kompetenzen im Verstehen und Erschaffen von Bildern erreicht. Der Wandel der Lebens- und Kommunikationswelt durch Corona findet sich in neuen Themen und Formaten, wie online-Ausstellungsbesuche oder photographische Tagebücher wieder.

Am Photocentrum unterrichten 13 Dozierende, die einen künstlerischen Background haben. Der Besuch der Kurse ist ohne Bewerbung oder Aufnahmeprüfung möglich. Es versteht sich als nicht-akademisch im Sinne der Zugangsfreiheit und nicht-kommerziell im Sinne der bestmöglichen Ansprache an interessierte Menschen aus allen Einkommensschichten.

Die beschriebenen Aspekte der Kontinuität, der Flexibilität in Zeiten der Pandemie, der hohen Qualität und vor allem der einladende, leichte Zugang für alle an Photographie Interessierten haben die Jury überzeugt.

(c) Jutta Lüderitz, oT. 2020 aus dem Themenkurs “Schatten der Nacht” bei Erika Babatz.
Plakat zur Ausstellung “Exploring Istanbul”, Projektkurs mit Klaus W. Eisenlohr

Außerdem hat die Jury des DGPh-Bildungspreises sich entschieden, für zwei weitere besonders engagierte Projekte lobende Erwähnungen auszusprechen.

Lobend erwähnt wird das Engagement der Neuen Schule für Fotografie in Berlin im Bereich der Umweltfotografie. Mit ihrem Anspruch, die Umweltfotografie, die sich seit 2005 als eigenständiges Genre etablierte, zu einem wichtigen gesellschaftsrelevanten Genre der Photographie auszubauen, macht sie die Tragweite dieses Themas bewusst. Die Neue Schule für Fotografie in Berlin erarbeitet mit wichtigen Kooperationspartnern wesentliche Projekte, um einerseits die Brisanz des Themas deutlich zu machen und andererseits ein vertieftes Wissen über die Geschichte der Umweltphotographie zu lehren.

Des Weiteren möchte die Jury das Projektvorhaben von Kristin Dittrich lobend erwähnen, die in der Rolle als Kunstvermittlerin mit Menschen zusammenarbeitet, die an Demenz erkrankt sind. Ihr Projekt ist dabei u.a. von der Erkenntnis US-amerikanischer Wissenschaftler geleitet, dass unser photographisch-visuelles Gedächtnis im Alter besser aktiviert werden kann als alle anderen Gedächtnisareale. Vor diesem Hintergrund kann die Photographie eine immens wichtige Rolle in therapeutischer und sozialpsychologischer Arbeit mit dementen Menschen spielen. Kristin Dittrich möchte ein Lehrbuch für diesen äußerst spannenden Themenkomplex erarbeiten.

Die diesjährige Jury fand per Videokonferenz zusammen. Sie bestand aus Heide Häusler, Kuratorin und Künstlerische Leiterin des Photoszene-Festivals Köln, der Preisträgerin des vergangenen Jahres Anja Jensen sowie Dr. Sandra Abend, Berti Kamps und Manfred Koch vom Vorstand der Sektion Bildung der DGPh.

Interessante Projekte im Bereich der Vermittlung von und mit Photographie zu entdecken und bekannt zu machen, das ist das Ziel des seit 2013 ausgelobten DGPh-Bildungspreises. Gefragt sind innovative und nachhaltige Projekte sowie wissenschaftliche Arbeiten mit Praxisbezug. Dazu zählen kultur- und museumspädagogische Initiativen, in denen Photographie thematisiert oder eingesetzt wird, ebenso mediale Bildungsangebote zur Photographie sowie schulische und außerschulische Aktivitäten. Mit dem Bildungspreis soll die öffentliche Wahrnehmung photographischer Bildungsarbeit weiter erhöht und der Fokus auf das Medium Photographie als Kulturgut gelenkt werden.

Informationen zum Bildungspreis der DGPh und den bisherigen Preisträger:innen

Deutsche Gesellschaft für Photographie e. V. (DGPh)
Dr. Sandra Abend (Vorsitzende der Sektion Bildung der DGPh)
Regina Plaar (Presse & Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: +49(0)221 923 20 69
presse@dgph.de

Quelle: Bildungspreis 2021 der DGPh an das Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin | Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.