Lothar Köhler, „Beverly“, 2016/2017

Auf einer Parkbank sitzen drei Personen: eine Frau, die eine Person in einem roten Hemd ansieht, und eine weitere Person, die ein Buch liest. (KI generierte Beschreibung)

Lothar Köhler porträtiert Beverly. Beverly hat Politikwissenschaft studiert und ist Schriftstellerin und Performancekünstlerin. Seit mehr als 20 Jahren lebt sie als Transfrau in Berlin. In unserer Gesellschaft wird das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht häufig als identitätsstiftendes Kriterium verwendet. Für viele Trans-Personen lässt sich die eigene Identität jedoch nicht darauf reduzieren. Mit tradierten binären Rollenbildern sind bestimmte Erwartungen an Erscheinung und Verhalten verbunden. Wer diesen Erwartungen nicht entspricht, muss mit Ablehnung und Feindseligkeit rechnen – und zunehmend auch wieder mit Gewalt.

Lothar Köhler reduziert Beverly weder auf solche politischen Zuschreibungen noch auf exotisierenden Glamour. Mit „Beverly“ erzählt er vielmehr eine ganz persönliche Lebensgeschichte – eine Geschichte von Stolz, Emanzipation und Mut.

E-Mail-Interview mit Lothar Köhler

Was bringt dich dazu, zu fotografieren?

Das VHS-Programm ist für mich oft eine Inspiration. Ich schaue gerne, welche Kurse angeboten werden und welche mich interessieren könnten. In der Vergangenheit habe ich an Projektkursen teilgenommen, die über einen längeren Zeitraum liefen und mit einer Ausstellung abschlossen. Zurzeit bin ich in einer Fotoklasse, in der ich an einem selbst gewählten Thema arbeite.

Meistens finden die Themen mich. Es sind Neugier, Stimmungen oder Informationen, die mich inspirieren und dazu bringen, mich fotografisch mit etwas auseinanderzusetzen.

Was interessiert dich an der Fotografie – was kann sie für dich, das andere Medien nicht können?

Fotografie kann Geschichten erzählen, Dinge sichtbar machen und einen Fokus schaffen. Ich kann mit Einzelbildern oder Serien arbeiten. Für mich ist es ein Wechselspiel zwischen den äußeren Bildern und meiner inneren Wahrnehmung. Mit der Fotografie kann ich flüchtige Momente einfangen. Sie ist für mich ein großes Experiment.

Wie bist du zum Photocentrum gekommen, und hat sich dort deine Sicht auf die Fotografie verändert?

Vor einigen Jahren bin ich durch die Vielfalt der Fotokurse auf das Photocentrum aufmerksam geworden. Durch das Aneignen von Wissen, Bildbesprechungen, Ausstellungserfahrungen und Diskussionen in der Gruppe hat sich mein Blick auf fotografische Themen und künstlerische Fotografie erweitert.

Wie sieht deine fotografische Praxis aus? Gibt es feste Routinen?

Wenn ich ein fotografisches Thema gefunden habe, etwa Architektur oder Porträtfotografie, suche ich die entsprechenden Orte häufiger auf oder treffe mich mehrmals mit der Person, die ich porträtieren möchte. Ich nehme mir Zeit, und allmählich verdichtet sich das Thema.

Welcher Teil des fotografischen Prozesses stellt für dich die größte Herausforderung dar?

Die größte Herausforderung ist für mich, ein vorgegebenes fotografisches Thema umzusetzen.

Die Arbeit, die du in Reframed 26.1 zeigst, ist vor Jahren entstanden. Wie schaust du heute auf sie? Hat sich ihre Bedeutung für dich verändert?

Ich erinnere mich gerne an den fotografischen Prozess und an die Treffen mit der Porträtierten. Es war mir wichtig, das Thema Transsexualität in meinen Bildern sichtbar zu machen. Damals wie heute werden gesellschaftliche Minderheiten ausgegrenzt. Die Bedeutung der Bilder hat sich nicht verändert.

Woran arbeitest du gerade, und was hast du für 2027 geplant?

Gerade bin ich dabei, ein Künstlerbuch zu layouten, zu drucken und zu binden. Außerdem möchte ich mich wieder mehr mit dem Porträt beschäftigen.

Was war eine wichtige Erkenntnis aus deiner Zeit am Photocentrum – für deine Fotografie oder darüber hinaus?

Fotografie und das Sehen entwickeln sich ständig weiter. Die Arbeit in der Gruppe, die Diskussionen und das Vertreten meiner eigenen Meinung haben mich selbstsicherer gemacht. Ich lerne auf kreative Weise, und all das gibt meiner Freizeit einen neuen Wert.

In den unterschiedlichen Kursen treffe ich manchmal dieselben Teilnehmenden wieder. Das schafft eine gewisse Verbundenheit.

Was würdest du jemandem raten, der oder die gerade am Photocentrum mit der Fotografie beginnt?

Sei neugierig und probiere dich aus. Nutze das vielfältige Angebot, um deinen eigenen fotografischen Fokus zu finden.

Wenn du dich nicht mit Fotografie ausdrücken könntest: Welches andere Medium würdest du wählen?

Tanz, Performance und experimentelle Chormusik.

(Die Fragen stellte Thomas Michalak)

Biografie

Lothar Köhler wuchs in Braunschweig auf. Nach einer Ausbildung zum Modelltischler und Krankenpfleger arbeitete er in unterschiedlichen medizinischen Bereichen. Köhler fand seinen Zugang zur Fotografie durch das Experimentieren in der eigenen Dunkelkammer. Die künstlerisch-fotografische Ausbildung absolvierte er bei imago fotokunst und vertiefte seinen fotografischen Ausdruck am Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg. Seine thematischen Schwerpunkte liegen in der Porträt-, Landschafts- und Architekturfotografie.

Lothar Köhler | Fotografie

Bildquellen

  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler
  • Lothar Köhler, Beverly, 2016/2017: Foto: Lothar Köhler