Die Arbeit „Dazwischen“ entstand in einem Projektkurs mit Sybille Hoffmann und wurde 1999 in der Ausstellung „3 Sekunden Gegenwart“ gezeigt. Es sind Selbstporträts, alle innerhalb eines kurzen Zeitraums entstanden – und doch zeigen sie ganz unterschiedliche Gesichter. Für die Autorin stehen sie für die Vielschichtigkeit einer Person. „Die Aspekte von uns, die wir anderen zeigen, unterscheiden sich je nach Situation“, sagt sie. „Manche zeigen wir vielleicht nie.“

E‑Mail-Interview mit Gunda Güldner
Was bringt dich dazu, zu fotografieren?
Früher: die Auseinandersetzung mit einem Thema. Aktuell suche ich Bilder, die für die Kombination von Fotografie und Malerei geeignet sind. Hier bin ich erst am Anfang mit meinen Überlegungen.Ein inhaltliches Thema habe ich zurzeit nicht.
Was interessiert dich an der Fotografie – was kann sie für dich, das andere Medien nicht können?
Interessiert hat mich die Möglichkeit, mich kreativ auszudrücken. Aktuell reicht mir die Fotografie dafür nicht mehr aus.
Wie bist du zum Photocentrum gekommen, und hat sich dort deine Sicht auf die Fotografie verändert?
Ich hatte Interesse an Fotografie und war auf der Suche nach Kursen. Die große Auswahl an verschiedenen Kursen, auch Grundkursen, damals noch Filmentwicklung und Vergrößerung, hat mich zu einer Anmeldung an der VHS Kreuzberg bewogen. Dabei geblieben bin ich wegen der unterstützenden, nicht wertenden Herangehensweise der Dozentin Sibylle Hoffmann.
Wie sieht deine fotografische Praxis aus? Gibt es feste Routinen?
Nein.
Welcher Teil des fotografischen Prozesses stellt für dich die größte Herausforderung dar?
Die Druckvorbereitung und der Druck. Hier fehlt mir auch das ein oder andere Wissen.
Die Arbeit, die du in Reframed 26.1 zeigst, ist vor Jahren entstanden. Wie schaust du heute auf sie? Hat sich ihre Bedeutung für dich verändert?
Die Arbeit ist zum Thema Zeit entstanden und wurde 1999 in der Gruppenausstellung „3 Sekunden Gegenwart“ gezeigt. Damals ging es um Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, die einander bedingen. Heute würde ich die Arbeit als die unterschiedlichen Gesichter/Aspekte einer Person, die immer vorhanden, aber nicht immer sichtbar sind, interpretieren.
Woran arbeitest du gerade, und was hast du für 2027 geplant?
Es gibt keinen konkreten Plan. Wahrscheinlich werde ich weiter an einer Verbindung von Fotografie und Malerei arbeiten.
Die Fotografie ist und bleibt für mich ein „Hobby“. Neben meiner oft anstrengenden Arbeit als Sozialarbeiterin fehlt mir, nicht die Zeit, sondern die Muße, der Freiraum, mich damit zu beschäftigen.
Was war eine wichtige Erkenntnis aus deiner Zeit am Photocentrum – für deine Fotografie oder darüber hinaus?
Jede/r hat künstlerisches Potenzial. Es muss nur gefördert werden. Die Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken, ist ein guter Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag.
Was würdest du jemandem raten, der oder die gerade am Photocentrum mit der Fotografie beginnt?
Lass dich darauf ein, vertraue dem Prozess, trau dich auch, ungewöhnlichere Bilder zu zeigen.
Wenn du dich nicht mit Fotografie ausdrücken könntest: Welches andere Medium würdest du wählen?
Die Malerei, zuletzt auch das Zeichnen. Die Fotografie hat mir gezeigt, dass ich künstlerisches Potenzial habe. Seit einigen Jahren versuche ich mich auch in der Malerei.
(Die Fragen stellte Thomas Michalak)
Biografie
Gunda Güldner, Sozialpädagogin, nimmt seit 1996 Fotokurse an der VHS in Kreuzberg. Angefangen mit den Grundlagen der SW‑Fotografie, weiter mit thematischen Kursen und Workshops bei Sibylle Hoffmann und Thomas Michalak. Aktuell beschäftigt sie sich verstärkt mit Malerei und malerischen Eingriffen in fotografische Bilder.